Um 13.00 Uhr fährt Denise bei Priska vor. Joe erhält Asyl im Stall, wir auf der Terasse. Bei Prosecco und anderen Nettigkeiten zieht sich das Apéro hin bis um 18 Uhr hin. Meine Packerei leidet darunter und verschiebt sich dementsprechend in die Nacht hinein. Nach einem Bad im Murtensee (Joe’s erstem), laden wir das Auto, zuerst im Stall, dann bei mir zu Hause. Um 22 Uhr gehen wir schlafen.
Montag, 27.7.09 Clavaleyres – Lozeron, 400km
Tagwache ist um 1.30 Uhr, eine knappe Stunde später fahren wir ab. 2 Stunden später passieren wir den Zoll in Bardonnex in Rekordzeit. Farielle hat ein Carnet ATA, Joe (mit Freipass) wird von uns am Zoll gar nicht erwähnt. Falls ihn jemand sieht, werden wir zu gegebener Zeit mit erklären beginnen. Zwischen Genf und Annecy drehen wir eine Ehrenrunde, die Hauptstrasse ist gesperrt, am Schluss müssen wir den Umweg über die Autobahn machen. Denises JPS schmollt und findet uns erst 50km später wieder. Um 8 Uhr lassen wir bei der ersten Péage und anschliessender Raststätte schon die ersten 100 Euro liegen für Benzin und Autobahngebühren. Farielle wird langsam müde, sie ist sich das engere Stehen im 2-Pferdetransporter nicht gewöhnt, zwischendurch hört man einen Rumpler. Nach Valence verlassen wir die Autobahn und nehmen die Hauptstrasse nach Crest. Wir fahren nach den Anweisungen der Dame vom ersten Gîte, Denises JPS (auch Tussi genannt) wird leise gestellt. Um 10 Uhr treffen wir im Gîte les Peupliers in Lozeron ein.
Die Pferde können zusammen auf die Weide, erhalten Heu, Fliegenmase und Bremsenspray. Nach einem anfänglichen Geplänkel hat Farielle gezeigt wer Chef ist, wir hoffen, dass Ruhe herrscht und legen uns hin.
Am Nachmittag wird verlesen und für die nächsten 4 Tage gepackt und aussortiert: Kaffekocher: zu warmes Wetter zum Kaffetrinken. Feuern verboten, Grill bleibt hier, die Packtaschen leeren sich. Die Steaks für das Picknick von morgen werden in der Pfanne gebraten, die Würste essen wir zum Lavendelwein welche unsere Wirtin Anne-France offeriert. Das Gîte ist in einer ehemaligen Seidenraupenfabrik untergebracht, vis à vis ist ein ehemaliges Kinderheim, jetzt in Wohnungen umgebaut. Dazu gehört ein Bauernhof. Laut Anne-France kommen dieses Jahr nicht viele Reiter vorbei, man spüre die Krise.
Zum z’Nacht gibt’s als Vorspeise Caillette (lokale Spezialität aus gekochtem Schweinskopf und Kräutern/Gewürzen), dann Schweinsfilet und Reis.
Um 9.15 Uhr haben wir gesattelt und brechen auf, die ersten Kilometer zu Fuss. Jean-Marie, eine Elsässerkollege von Denise war letztes Jahr hier. Er hat gemeint, die Gegend sei steinig, wir können das bestätigen ! Beim gestrigen Betrachten von Karte und Thermometer haben wir freudig festgestellt, dass wir den ganzen Tag über im Wald reiten. Die Freude relativiert sich, hin und wieder gibt es sogar Bäume welche mehr als 3m hoch sind und somit etwas Schatten spenden, ansonsten ist’s einfach steinig und heiss.
Ich gehe auch aufwärts viel zu Fuss da ich Farielles Bein in diesem Gelände etwas schonen möchte. Falls je wieder Vercors, nur noch mit Ledersohlen. Den Weg finden wir mit ziemlich viel Suchen, nur nach den offiziellen Balisée-Zeichen (gelber oder oranger Punkt) zu reiten, wäre unmöglich.
Kurz vor dem Col de la Fonteuse finden wir einen Bach mit etwas Wasser, mein Kitchensink kommt erstmals zur Anwendung und wird von Farielle und Joe sehr geschätzt.
Auf dem Col finden wir sogar einen Rastplatz mit Halbschatten und etwas zähem Gras. Hunderte von Bremsen sind auch vor Ort. Dann wird’s heftig. Vom Col des Blaches (890m) folgt auf den nächsten 1,5km ein Abstieg zum Col des Vacheres (630m), 4 weitere km später sehen wir den Mas du Clos, unser Ziel.
Virginie unsere Gastgeberin empfängt uns herzlich. Sie selbst hat 7 Pferde mit welchen sie Touristen durch die Gegend führt. Wir erhalten ein provenzalisch-blaues Zimmer mit Bad.
Die Pferde schwammen wir im Drôme ab. Herrlich, die Kühlung für alle 12 Beine/Füsse. Nachdem wir die Pferde auf die Weide gebracht haben, gönnen wir uns nochmals ein Bad im Fluss. Beim Nachtessen erzählt uns Virginie von ihrem Tunesien-Wanderritt, allzu lange bleiben wir aber nicht sitzen, morgen wird ein strenger Tag.
Mittwoch, 29.7.09 St. Croix – Font d’Urle, 28km, 8.45 – 18.45 Uhr
Um 6 Uhr gehe ich die Pferde füttern, sie haben gestern abend sehr grobes Luzerneheu erhalten, dieses aber gut gefressen. Um 8.45 Uhr attackieren wir die erste Steigung und verpassen prompt unsere Abzweigung. Dann folgt ein Abstieg in einem ausgewaschenen Bachbett nach St. Andéol. In der Sure können wir die Pferde nochmals tränken. Kurz vor 12 Uhr machen wir eine kurze Rast in Rouisse, dann gilt’s ernst: auf den nächsten 4km haben wir 900 Höhenmeter zu bewältigen. Die ersten 200 muten wir den Pferden noch zu, dann wird’s steiler und das Mitleid siegt. Farielle tropft, sie ist ein Flachland Pferd, bei uns heisst schon der Vully „Mont“.
Wenigstens ist der Weg breit, dafür begleitet uns die Sonne sehr intensiv. Auch Bremsen hat’s in allen Grössenvariationen und Farben. Die von Ste. Croix mitgebrachten mouches plates haben wir mit Antibrumm betäubt und manuell exekutiert. Vor’s ans letzte wirklich steile Stück geht, kommen wir zu einer Quelle, wievielen erschöpften Wanderern hat sie wohl schon beinahe das Leben gerettet?
Mit roten Köpfen und Zunge bei Fuss erreichen wir nach ca. 30 Verschnaufpausen um 15 Uhr den Tête de la Dame. Wir picknicken und reiten dann weiter der Krete entlang über das Plateu d’Ambel.
Das Panorama ist spektakulär. Nach 4km schönsten Wiesenwegen folgt das heutige Pièce de résistance: schmaler Geissenpfad, Felstreppen, Steine, Felsen, wieder Steine. Denise sieht ihr Ende nahen und will sterben. Im Geiste redigiert sie Beschwerdebriefe an die Organisation Drôme à cheval. Irgendwann kommt aber Font d’Urle doch noch näher.
Im Centre équestre herrscht ein gröberes Tohuwabohu. Eine Reitschule mit 20 Ponies/Girls und eine zweite Randonneur-Gruppe übernachten ebenfalls oben. Ich lokalisiere Martine, sie ist für die Randonneurs zuständig. Wir erhalten sogar ein Zimmer (das telefonisch versprochene Massenlager im Anblick der vielen Kindern hat nichts an Reiz gewonnen) und einen Aufschub in der Beiz für das Z’Nacht. Farielle und Joe erhalten die Weide eines Esels welcher nun die Nacht an der Longe verbringen muss. Im Restaurant schlagen wir uns voll mit Coq au vin, Gratin Daupinois und Salat mit einem lokalen Rotwein. Fantastique! Der Reitlehrer welcher mit seinen 20 Ponies und Mädchen unterwegs ist (möge er eine ruhige Nacht vor sich haben) zeichnet uns den Weg auf der Karte nach Léoncel ein, eine offizielle Strecke ist nirgends in der Auberge Henri Jeanneret zu finden.
Frühe Bettruhe, für’s Tagebuch reicht die Energie nicht mehr.
Donnerstag, 30.7.09, Font d’Urle – Léoncel, 9.30 – 18.00 28km
Am Morgen herrscht Nebel. Mir ist mulmig zu Mute, verreiten möchte ich mich in dieser Gegend dann doch nicht. Allenfalls werden wir den Kompass zu Hilfe nehmen müssen. Bis zum Abritt lichtet er sich jedoch. Das Wetter ist auf der frischeren Seite. Ich packe meine Jacke aus, die Pferde haben die ersten 2 Stunden keinen Bremsenstress. Die ersten 4km (gleicher Weg wie gestern) habens immer noch in sich, sind aber ausgeruht doch besser zu bewältigen.
Im übrigen beschliessen wir den Begriff „Wanderreiten im Vercors“ abzuändern in „Wandern mit Pferd im Vercors“. Wenn das so weitergeht, mutieren wir zu Fussgängern. Nach 5km machen wir schon die erste Pause. Baguettes zum z’Morge halten einfach nicht vor! Dann folgt wiederum eine Panoramaroute: während 2 km folgen wir einem Bergkamm mit spektakulärster Aussicht bis hin zum Col de la Bataille.
Beim Grand Echaillon machen wir vor dem letzten Abstieg heute eine zweite Pause. Hinter unserem Rücken befindet sich eine Herde Pferde. Wir rätseln rum, was für eine Rasse das wohl ist, werden uns aber nicht einig. Beim Weiterreiten treffen wir auf einen älteren Herrn der uns aufklärt: es handelt sich um das ursprüngliche Cheval du Vercors.
Sein Grossvater habe angefangen, die vom Aussterben bedrohte Rasse die verbliebenen Tiere aufzukaufen und zu züchten. Im Moment seien er und einige andere engagierte Züchter dabei, die Rasse (neu Cheval Barraquand, sein Familienname) im Sire anerkennen zu lassen. Die Hengste seien in Arles stationiert. Der Abstieg nach Léoncel hats in sich: es ist sehr heiss, das Fehlen von Schatten wird kompensiert mit der Anwesenheit von vielen Steinen. Nach 3km bergab benötigen weder wir noch die Pferde eine Fusszonenreflexmassage heute abend.
Im Gîte angekommen mache ich mich auf die Suche nach dem Géranten, an der Réception hängt ein Schild „je suis derrière l’Abbaye“. Dort finde ich ihn dann auch, er geniesst schlafend in seiner Hängematte die Sonne. Leider haben wir nicht bei ihm reserviert sondern beim anderen Gîte in Léoncel, oben auf dem Grand Echaillon. Wenn wir den Berg schon wieder rauf müssen, dann sicher über das markierte Steinbett, auch Teer kann durchaus seinen Reiz haben.
Joe und Farielle ziehen aus, in ¾ Stunden sind wir wieder oben, ca. 200m von unserer Raststelle am Nachmittag entfernt.
Serge empfängt uns nach der Vorankündigung des unteren Wirtes. Er ist allein in der Beiz und zeigt uns Anbindevorrichtung, Sattelkammer, Futter, Massenlager, Weide, Strom und Kraftfutter in ca. 5 Minuten. Wir richten uns ein, Farielle und Joe erhalten erstmals eine Weide mit Gras, und verziehen uns bis zum z’Nacht in die Beiz um die Karte abzuzeichnen und Tagebuch zu schreiben. Beim Nachtragen der Strecke stellen wir fest, dass auf der Vorlage von Serge der gefährliche Weg eingezeichnet ist, von welchem uns Anne-France dringend abgeraten hat.
Wir korrigieren ihn auf der Vorlagenkarte ebenfalls, wenn schon Einheimische finden, es sei gefährlich, ist Ausprobieren sicher keine gute Idee.
Zum z’Nacht gibt’s für einmal keine Caillette sondern eine andere hiesige Spezialität: des ravioles gratiné, zusammen mit einem riesigen Salatteller und Glacé mit Aprikosenkompott wiederum ein Festmahl. Heute hat’s doch noch für’s Massenlager gereicht, allerdings sind nur noch 2 andere Personen da. Ich finde ein kleines Kissen und kann damit sogar gut schlafen.
Den Pferden hat die Weide gut getan. Sie sind frisch, zwischen Kraftfuttergabe und Reinholen zum Putzen hat die Zeit sogar für eine kleine Rauferei gerreicht. Schuldig geblieben sind sie sich anscheinend nichts, Joe hat eine Schnatte am Sprunggelenk, Farielle am Hinterbein. Wer streiten kann, kann auch arbeiten, den steinigen Abstieg von gestern tun wir uns nicht mehr an, wir gehen auf dem Teer wieder zurück ins Tal. Nach dem Kloster von Léoncel machen wir einen Aufgalopp über die gemähten Heuwiesen, notabene der einzige mit Gepäck. Für Joe und Farielle ist die Welt in Ordnung, anscheinend gehen wir in die richtige Himmelsrichtung, sie haben einen wahnsinn’s Drive drauf. Nach les Vacheries folgt der letzte steile Aufstieg für heute auf den Chaffal. 200 Höhenmeter auf 1km Strecke. Bei der ersten Felsplatte schlägt sich Farielle das Bein auf, Gott sei Dank bin ich schon vorher abgestiegen.
Steil und heftig ist der Aufstieg. Wir keuchen, die Pferde kommen nicht wirklich ins Schwitzen. Farielle hat sogar Zeit zum fressen rechts und links. Bei den jungen Buchen ist das ja kein Problem, hingegen gibt’s hier auch sehr viele Buchsbäume…
Zuoberst auf dem Chaffal picknicken wir im Schatten einer alten Ruine. Die Pferde erhalten Kraftfutter welches wir seit Font d’Urle mitschleppen und wir geniessen Essen und Aussicht. Nach einer schönen Strecke im Wald kommen wir zum Aussichtspunkt Croix de Vellan.
Die Aussicht ist atemberaubend. Beim Panoramabild rekonstruieren wir die gerittene Strecke, sehen die vielen Berge welche wir bewältigt haben und wundern und nicht mehr über Blattern und Muskelkater. 1 ½ Stunden später taucht vor uns der Gänseweiher von Les Peupliers auf. Joe und Farielle werden geduscht und können bis zur Nacht in den Stall, draussen hat’s zuviele Bremsen. Wir schwatzen Anne-France eine Flasche Weisswein und etwas Wurst ab.
Ziemlich beschwipst gehen wir dann duschen und freuen uns auf’s z’Nacht. (Caillete zum 4. Mal, diesmal allerdings warm, nächste Woche werden wir uns eine andere lokale Spezialität konzentrieren)
Nach dem z’Nacht entlassen wir Farielle und Joe auf die Weide. Nach 4 Stunden im Stall haben sie aufgelaufene Beine, was vorher während 4 Tagen nie vorgekommen ist.
Samstag, 1.8.09, Lozeron - Grignan 65km (mit dem Auto)
Wir dürfen die Pferde den Tag über noch im Stall lassen, auch unser Gepäck muss nicht bis um 10 Uhr geräumt sein. Am Morgen besuchen wir die Magnanerie in Saillans. Bis zur Eröffnung des Suezkanals 1869 war die grösste Industrie im Drôme das Pflanzen von Maulbeerbäumen und die Zucht von Seidenraupen. Praktisch jeder Haushalt war in dieses Geschäft involviert. Nach 1869 bezogen die Seidenwebereien in Lyon die Rohseide günstiger aus China, das ganze Drôme litt unter den Auswirkungen. In Saillans existiert ein kleines Museum. Man sieht dort die verschiedenen Stadien der Seidenraupen, dann das Lösen des Fadens aus dem Kokon sowie eine Dokumentaion über die Hochblüte der Manganeries dans le Drôme.
Nach dem Mittagessen im Städtchen kühlen wir uns nochmals in der Drôme ab. In Beaufort folgt noch ein kurzer Abstecher in den Pflanzengarten von Sanoflor. Einer Firma welche biologische Kräuter für Heilpflanzen verarbeitet. Anne-France ist eine der Produzentinnen (Melisse), ihr liegt diese Firma sehr am Herzen. Um 16 Uhr sind wir zurück im Gîte, laden das Auto, verpacken die Pferde, verabschieden uns herzlich von Anne-France und fahren los Richtung Süden in eine wärmere Gegend (40 statt 35°).
2 h später erreichen wir die Domaine de Montine, ein 64 ha Weingut in der Nähe von Grignan. Dort haben wir in einem Gîte ein Studio sowie Boxen mit Auslauf und Weide für die Pferde gemietet.
Wir werden von Jean-Luc Monteillet, dem Winzer empfangen. Auf unsere Anfrage bietet er uns eher zögernd eine grüne (jawohl, mit Gras bewachsene) Weide an. Nachdem wir die Pferde erstmals in den Boxen untergebracht haben, stellen wir fest, dass diese Weide bewässert wird. Da unsere Pferde vermutlich mehr grün sehen als die hiesigen, nehmen wir die dürre Weide neben dem Stall. Jean-Luc bestätigt uns erleichtert: ici l’herbe vaut de l’or.
Wir richten uns im Studio ein und gehen dann in Grignan eine Pizza essen. Vor dem Schlafen gehen entlassen wir die Pferde auf die Weide (mit einer Balle Heu).
Um 1.15 Uhr stehe ich im Bett, den Blutdruck weit über der Schallgrenze. Hufgeklapper auf der Strasse! Barfuss renne ich raus (Abstand Strasse – Bett ca. 4m) und halte ein braunes Pferd an. Sehr hübsch ist es, Gott sei Dank keines von unseren. Es hat keine Halfter an und haut mir wieder ab. Nach einem kurzen Kontrollblick auf die Weide (unsere sind noch da) versuche ich wieder zu schlafen. Kaum eingenickt folgt ein heftiges Gewitter. Blitz und Donner zusammen, immer wieder Stromausfall. Um 5 Uhr dann das ganze Spiel nochmals von vorne, zuerst das Pferd, kurz gefolgt vom Gewitter. Endlich ist es 6 Uhr und ich kann aufstehen.
Sonntag, 2.8.09
Vor dem Reiten müssen wir Joe und Farielle duschen. Sie haben sich wie Schweine im Schlamm gesuhlt. Um 7.30 Uhr reiten wir los. Die Gegend ist ziemlich verschieden zu letzter Woche. Keine Berge (nicht mal Hügel). Der Lavendel ist leider schon gemäht, entlang den Feldern duftet es aber immer noch stark danach und hat auch keine Bremsen. Ansonsten hat es hauptsächlich Reben und Eichenwälder (Trüffelgebiet). Mit den Wegen haben wir unsere Mühe. Viele Wege in den Rebbergen sind nicht eingezeichnet, man kann sich nicht so gut orientieren. Nach 2 h haben wir den Rückweg dann doch gefunden und gehen nach Grignan zum Einkaufen. Dort herrscht Ausnahmezustand: die Stadt hat immer noch keinen Strom, der Bäcker hat keine Baguettes backen können. In einer Epicerie können wir uns mit dem Nötigsten eindecken, das Ganze dauert da der Verkäufer alles mit dem Taschenrechner ausrechnen muss.
Nach einem ausgiebigen Brunch funktionieren wir die Boxen zu einem Offenstall um. Frau Monteillet hat gemeint, ihr Schwager sei am Montag wieder da, er könne das dann machen. Wir haben ihr aber erklärt, dass wir autonom seien und tun das gleich selber. Den Nachmittag verbringen wir am Pool und zum z’Nacht gibt Tomatenteigwaren mit Salat und eine Flasche vom Hauswein. Endlich Ferien!
Montag, 3.8.09
Kein Pferd auf der Strasse diese Nacht, kein Gewitter, sogar gut geschlafen. Frohen Mutes wollen wir um 7 Uhr reiten gehen. Nichts da, Farielle geht lahm hinten links. Hin und wieder stellt sie das Hinterbein aus, wie wenn sie sich was eingeklemmt hätte. Lange Gesichter unsererseits. Sie erhält erst einmal eine Dosis Metacam (Ueberbleibsel von Joe’s Hirnerschütterung), wir werden am Abend weiterschauen. Stattdessen machen wir den Weinlehrpfad welcher vor der Kellerei angeschlagen ist. 4km, 1 Stunde, direkt richtig so vor dem Frühstück. Wir verlaufen uns und finden nach 2 Stunden marschieren wieder zurück ins Domaine de Montine.
Anschliessend besuchen wir die Brocante in Valréas. Da alle Läden zu sind (wie immer werden wir zur Siestazeit aktiv) gehen wir noch einkaufen im Leclerc und kehren zurück.
Farielle’s Zustand ist unverändert. Wir fragen Jean-Luc nach der Nummer eines Tierarztes, er wird sie nachher vorbei bringen. Dann gehen wir in die Kellnerei und degustieren uns durch’s Sortiment. Einkaufen können wir erst Ende Woche wenn das Wein-Budget feststeht. Ich erwische das Sekretariat des Tierarztes und bekomme den Bescheid morgen Ende Vormittag nochmals anzurufen.
Dienstag, 4.8.09
Denise geht am Morgen reiten, Farielle muss zu Hause bleiben. Wie zu erwarten hält sich ihre Begeisterung in Grenzen. Ich will mit ihr grasen gehen, sie interessiert sich aber nur für Joe bzw. dessen Abwesenheit.
Nach dem Brunch wollen wir das Schloss in Grignan besuchen. Unterwegs ruft die Sekretärin des Tierarztes an, er komme um ca. 14 Uhr vorbei. Wir verschieben den Schlossbesuch auf morgen und degustieren uns durch den Wochenmarkt. Auch hat uns der Feriensouvenir-Virus gepackt , wir kaufen wacker ein.
Ab 14 Uhr warten wir vor dem Stall, um 15 Uhr fährt der Tierarzt in einem grösseren Audi vor. Was hat der wohl für Tarife, das wird Ende Ferien nicht mehr viel Wein geben!
Er schaut Farielle’s Bein an und meint, es sei eine Infektion, bedingt durch all die kleinen Verletzungen welche sie habe (teilweise sind die Kratzer noch vom Vercors, grösstenteils aber von nächtlichen Scharmützeln meiner liebestollen Stute mit Joe). Da das Bein nicht aufgelaufen war, haben wir nicht in diese Richtung gedacht. Wieder was dazu gelernt.
Ich erhalten vom Tierarzt einen halben Liter Betadine und eine Flasche Antibiotika. Watte muss man in der Apotheke selbst organisieren. Der Spass kostet 110 Euro, eigentlich Schweizerpreise, nur spritzt der Schweizer Tierarzt die erste Ladung Antibiotika selbst. Wir fahren nach Grignan, kaufen Gazebinde und eine 100g Packung Watte (für 3 Euro). Dann fahren wir nach Valréas und kaufen im Supermarkt 3 grosse Packungen Watte (à je 600g zu
1 Euro) und verarzten zu Hause mein Pferd. Nach einem kurzen Sprung in den Pool ist Abend und wir gönnen uns ein gediegenes Essen im Patio eines kleinen schicken Restaurants. Zum Verdauen folgt ein Abendspaziergang durch Grignan in schönster Abendstimmung und ohne Touristen.
Mittwoch, 5.8.09
Gleiches Spiel wie gestern. Denise und Joe reiten aus, Farielle tobt rum. Als sie den Zaun zu taxieren beginnt, reicht es mir, sie wird angebunden und erholt sich in kürzerster Zeit von ihrer Entrüstung. Nach dem z’Morge nächster Versuch das Schloss in Grignan zu besuchen. Auf dem Weg zum „Gipfel“ kommen wir an einem Schmuckladen vorbei und bleiben hängen. Punkt 12 Uhr stehen wir dann vor dem Schloss welches von 12-14 Uhr geschlossen ist. Ok, wieder nichts. Dann halt eine Postkarten- und Poolrunde heute nachmittag. Nach einigen Schwimmzügen im Pool, welcher die ganze Woche sehr erfrischend ist, besichtigen wir am Abend noch das Nachbarstädtchen Taulignan. Im Gegenteil zu Grignan gibt’s dort keine Touris und auch keine Läden. Abendessen gibt’s zu Hause und das nicht mal auf dem Sitzplatz, es ist viel zu heiss.
Farielle geht’s viel besser, Antibiotika und Betadineverband helfen.
Donnerstag, 6.8.09
Denise lässt das reiten bleiben und wir starten den 3. Versuch zur Schlossbesichtigung in Grignan. Zuerst war es eine Holzkonstruktion, dann im Mittelalter eine Burg. Im 17./18. Jahrhundert wurde es zu einem Renaissance-Schloss umgebaut, während der französischen Revolution wurde es dann zerstört. 1912 wurde das Schloss von einer belgischen Bankierswitwe gekauft und wieder aufgebaut, jetzt gehört es dem Staat. Wir erkunden nochmals die Gässchen von Grignan und können dank der frühen Morgenstunde (11 Uhr) sogar Fotos ohne sonnenverbrannte Holländer machen.
Direkt von Grignan aus fahren wir nach Bourg de Péage in die Sellerei Baude, Wanderreitsättel anschauen. Wir werden kompetent über die hauseigenen und anderen Sättel infromiert, das extra für uns angefertigte Infoblatt lasse ich leider im Laden liegen. Bei 38° draussen gehen wir zuhause direkt in den Pool und anschliessend nochmals auswärts essen in Grignan. Ich will bei Farielle den Betadineverband entfernen und einige Nägel ersetzen. Mit einem halben Liter Antibrumm und gutem/lautem Zureden klappt das so leidlich. Farielle und Joe werden sich über die paar Bremsen zu Hause richtig freuen.
Freitag, 7.8.09
Denise steht früh auf, sie will nochmals reiten gehen. Farielle macht Fortschritte, geduldig wartet sie ohne Theater am Tor. Kaum habe ich fertig gemistet kommen Denise und Joe zurück, begleitet von 1000 Bremsen. Die Lektion sitzt: Provence zu Pferd definitiv nicht im Sommer bei 40° und entsprechendem Ungeziefer.
Wir fahren nochmals in den Leclerc, kaufen Picknick für heute und unterwegs ein, auch tanken müssen wir noch. Anschliessend werden die letzten Euronen in Domaine de Montine – Wein investiert. Es folgt eine letzte Poolrunde. Am Nachmittag versuchen wir zu schlafen was sogar für 4 Stunden gelingt. Nach dem Nachtessen wird geputzt. Bei eher rudimentärer Bestückung der Putzkammer wird der Boden mit Abschwaschmittel aufgenommen.
Wir misten die Boxen aus obwohl uns Mme. Monteillet erklärt hat, dass sie nicht täglich sondern nur im Herbst einmal mit dem Traktor misten. Da es sehr trocken ist im Sommer sehen die Boxen/Ausläufe nicht annähernd so schlimm aus, wie man denken könnte. Unsere Frage wohin wir den Mist bringen sollen hat Jean-Luc beinahe etwas gestresst. Als ich ihn fragte, ob der gepflügte Acker neben dem Stall eine Option sei, hat er erleichtert genickt.
Eine halbe Flasche Antibrumm geht zum Bandagieren drauf, die Pferde (bzw. die Bremsen) sind beim Einnachten unmöglich. Um 21.30 Uhr fahren wir los und kommen gut voran. Ab dem Chartreusemassiv verfolgt uns ein Gewitter und es regnet zeitweise. Kurz vor Genf machen wir Pause und treffen auf dem Rastplatz den Lastwagen der Sellerie Baude von gestern, welch ein Zufall. Um 2 Uhr sind wir an der Grenze. Der wirklich optimale Zeitpunkt. Nach 5 Minuten haben wir französische und Schweizer Stempel im Carnet - Joe wurde wiederum nicht erwähnt - und fahren weiter. Jetzt regnets heftig und die lange Nacht macht sich bemerkbar. In Estavayer drehen wir nochmals eine Runde zu Fuss auf dem Rastplatz, um 4 Uhr laden wir aus, Joe und Farielle können in eine Boxe und wir endlich ins Bett. Denise fährt um 10 Uhr weiter und geniesst den Ferien Rückreiseverkehr mit 3 Staus. Ich muss noch meine restlichen Tiere repatriieren und habe bis ins Thurgau auch beinahe doppelt so lang wie sonst.