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Route (ungefähr)

Reisebericht von Sibil

 Montag, 28.5.07, Bouxwiller - Altenach

Strömender Regen weckt mich am Pfingstmontagmorgen, wie verheissungsvoll für einen Aufbruch zu einem 11 tägigen  Wanderritt. Gepackt und gewogen haben wir unsere Siebensachen am Vorabend, es eilt also nicht so mit Aufstehen. Wir fahren in den Stall im nahen Elsass, vielleicht regnets dort ja nicht mehr, aber diese Hoffnung ist ebenfalls vergeblich. Denise holt ihre gestern sauber geputzte Mona von der Weide, sie hat sich kurz zuvor im Sägemehl gewälzt, jetzt ist sie ganz nass und Sägemehl und Dreck kleben am und im Fell. Joe’s Sehne ist noch nicht 100% ok, somit muss Mona in die Bresche springen. Um 11 Uhr haben wir gesattelt, gepackt, umgepackt, anders gegurtet und brechen auf. Unterdessen immerhin bei Nieselregen.



Ueber Vieux Ferrette gelangen wir auf die route des carpes für welche das Sundgau berühmt ist und sehen entsprechend viele Fischweiher. Die Anzahl der Weiher lässt die Mückendichte hochrechnen, immerhin ein Vorteil bei kühlem Wetter. Das Mittagspicnic nehmen wir bei einem Weiher ein, idyllisch im Froschgequake, von Tannen vor dem Regen geschützt. Etwas später treffen wir auf ein Restaurant in Seppois, die Wirtin verlangt beinahe, dass wir die schon am Veloständer befestigten Pferde mit auf die gedeckte Terrasse nehmen. Die voraussehend angekündigten, fallenden Pferdeäpfel will sie für ihre Blumen verwenden (was sie dann auch tut). Um 18 Uhr nach ca. 6 Stunden Reitzeit treffen wir im Relais de la Largue in Altenach ein. Dieses wird von der Familie Philip betrieben. Nebst ihren 12 Pferden (vom Percheron bis Pony ist die ganze Pferdewelt vertreten) gehören zum Haushalt noch Loulotte (vache vosgienne), 2 Hunde (Bordercollie und Rehpinscher) sowie Getrude die Dritte (Gans, ihre zwei Vorgängerinnen haben früh das Zeitliche gesegnet).




Dienstag, 29.5.07, Altenach – Bourbach le Haut

 Es regnet die ganze Nacht, wie nicht anders zu erwarten brechen wir im Regen auf, um heute bis an den Fuss der Vogesen zu reiten. Notabene begleitet uns das Wetter den ganzen Tag über, der kalte Wind macht die ganze Sache noch etwas ungemütlicher. Eigentlich war das Wetter gestern doch noch ziemlich nett! Im Städtchen Dannemarie drehen wir eine Orientierungsrunde bis wir den Supermarkt finden, dort wird eingekauft. Die Bäckerin kann’s nicht fassen, sie muss uns auf ihrem Handy verewigen. Kurz vor Bretten machen wir Mittagshalt, ebenfalls wieder an einem Teich. Zumindest vor Regen wenn auch nicht vor Wind, schützt die Laube des beschlagnahmten Fischerhäuschens. Den Pferden geht es bei diesen Temperaturen gut. Sie schwitzen nicht und bei Nieselregen werden sie auch nicht nass. Wir reiten eine längere Zeit durch den Wald auf sehr kleinen Wegen. Die nassen Blätter klatschen ins Gesicht, durch unsere Poncho’s werden unsere Kleider nicht nass, unangenehm ist’s trotzdem.




Die Wege stimmen nicht mehr ganz, die nahe gelegene Schnellstrasse hilft uns aber die Richtung beizubehalten und endlich treffen wir wieder auf den richtigen Weg. Im Allgemeinen sind die französischen 25'000 er Karten super, sie sind sehr exakt und wir können uns auch gut an den Wanderzeichen welche auf der Karte und in der Natur zahlreich vorhanden sind, orientieren. Was für ein Unterschied zu letztem Jahr!

In der von Denise am richtigen Ort, nämlich neben der Kirche, vorausgesagten Beiz trinken wir in Lauw einen Tee und nehmen dann mit müden Pferden um 17 Uhr die ersten Vogesenausläufer in Angriff. Eine Stunde später treffen wir in der ferme de Niederwyhl ein. Sie wurde 1640 erbaut und zeigt Zeichen des Alterns, hat aber enormen Charme.





Die beim Rekognoszieren eher reservierte Wirtin ist aufgetaut und hat für uns extra den Kachelofen angeschmissen. Wir wissen die Geste zu schätzen. Sobald die Pferde in den Boxen versorgt und wir im warmen Haus sind, hat Petrus Einsicht. Der Regen hört auf, eine Viertelstunde später ist der Himmel blau. In den Pferdeboxen mieft es wie im Raubtierhaus im Zoo, normalerweise sind die Katzen in diesen Boxen. Mona hat das Gefühl sie sei eine Kuh und lässt plötzlich Milch fliessen. Denise ist erstaunt und fragt sich ob ihr Pferd letzten Sommer ein amouröses Abenteuer erlebt hat. Wir werden ja sehen ob wir morgen 3 Pferde im Stall haben.

Nach einem 1a Nachtessen (Patée, gefüllte Kalbsbrust und Salbeikartoffeln, Himbeereis) gehen wir früh schlafen.

Mittwoch, 30.5.07, Bourbach le Haut – Willer sur Thur

 
Um 10 Uhr brechen wir Richtung Rossberg auf. Die Ferme de Niederwyhl liegt auf 450m, die ersten hundert Höhenmeter machen wir zu Fuss und treffen mit entsprechend roten Köpfen im Dorf Bourbach ein. Dort steigen wir auf und lassen die Pferde keuchen bis wir auf 900m Höhe sind. Dann wird’s eng und steil, wir steigen ab und laufen bis wir über dem Thannerhubel sind.


Auf einer Wegstrecke von 6,5km bewältigen wir so 650 Höhenmeter und sind jetzt auf 1100m mit einer wunderbaren Aussicht Richtung Ebene. Einladend steht auf dem Gipfel die Hütte des Thanner Skiclubs, sie ist eingezäunt, hat eine saftige Wiese ums Haus, ein idealer Picnicplatz. Wir annektieren die Hütte für 2 Stunden, satteln ab, lassen die Pferde frei und schmeissen uns ins Gras. Was für ein Luxus und zudem scheint die Sonne (und es geht ein giftiger Wind, welchen wir ignorieren).


Nach unserem ersten 1100er folgt der Abstieg zuerst zur ferme auberge du Gsang, wo wir etwas trinken, und nachher nach Willer sur Thur, unten im Tal zu Fuss. Somit erklärt sich  auch der Begriff Wanderreiten.  Eingangs Dorf erwartet uns Paul Hurth und weist uns zu unserer Unterkunft. Er betreibt das gîte équestre le Carré vert, ein 5* Hotel für die Pferde und ebenfalls perfekt für die Reiter. Inspirieren lassen zum Bau seiner Hütte hat er sich in der Loire, ebenfalls beim Wanderreiten. Für die Pferde ist es ideal: Weide, Gras, noch mehr Gras und hohes Gras, Unterstände im Wald, im Schopf und unter der Cabane das ganze garniert mit viel Freiheit. Nachdem sich Mona und Farielle sattgefressen haben gehen sie auf Erkundigungstour. Sie ziehen über den Hügel Richtung Ausgang davon und kommen einige Zeit später dem Bach entlang zurück. Denise und ich geniessen im Dorf einen französischen 3-Gänger (was isst man auch gut im Elsass!) und sperren Mona in ein kleines Paddock ein, dies im Hinblick auf den strengen Tag morgen und das hohe Gras heute. Viel Freude hat sie nicht daran!


Das Gîte ist super: Küche mit Kochplatte und Wasserkocher, daneben der Schlafraum mit 8 Kajütenbetten. Unten ist Futterkammer, 2 Boxen, Dusche und WC sowie Putzplatz am Trockenen. Ohne die Kette wären die Pferde sicher auf die Veranda geklettert, jedesmal wenn wir draussen sind strecken sie den Kopf zu uns hinauf. Paul wird morgen früh noch vorbei kommen und uns einen schönen Weg zum Markstein zeigen auf der Karte. Zur Idee der Route des Crêtes auf den Grand Ventron meint er lakonisch, „oui, on peut le faire“…

Donnerstag, 31.5.07,  Willer sur Thur - Markstein

 Der Start zögert sich hinaus, Paul erzählt von einer dramatischen Rettungsgeschichte eines Randonneurs und seines Pferdes und warnt uns vor den Wanderwegen des Ballon d’Alsace. Er erklärt uns den Weg für heute, sein Standartsatz: c’est facile, vous pouvez pas vous tromper zeigt Wirkung. Kaum ausserhalb des Dorfes verreiten wir uns und drehen eine grössere Runde steil den Berg hinauf und dann ebenso steil wieder hinunter. Danach kontrollieren wir vermehrt die Wanderwegzeichen und finden dann auch zur Siedlung Ostein. Sind diese Vogesen steil: die Pferde keuchen bergauf, irgendwann haben wir dann ein schlechtes Gewissen, steigen ab und keuchen ebenfalls. Mona entlastet sich hin und wieder mit Ablassen von Milch, auch der Ausdruck Milchschwemme kommt von irgendwo her. Um 13 Uhr erreichen wir die ferme auberge du Freundstein, der Grand Ballon ist noch in weiter Ferne, unser Ziel, der Markstein, dahinter versteckt. Was soll’s, wir beschliessen hier zu essen und das Picnic für morgen zu behalten.


Die Fleischschnaka sind eher ein kulinarisches Abenteuer als ein Genuss, lassen sich aber essen. Weiter geht’s über den Col Amic, dort gehen wir auf dem Gr5 weiter. Für Reiter und Biker zwar verboten aber trotzdem wunderschön. Jetzt sind wir auf der Route des Crêtes, man sieht bis nach Basel, der Krampf hat sich gelohnt.


Beide Pferde sind unterdessen ziemlich müde, endlich erreichen wir den Grand Ballon (grösster Berg der Vogesen mit 1425m) und umreiten ihn. Unterhalb des Judenhutes (anderer Hügel) machen wir auf einer Alpweide Pause für die Pferde, sie schlagen sich den Magen mit Alpkräutern voll, es riecht intensiv, wäre ideal für Ricola-Werbung. Plötzlich laufen Mona und Farielle davon, kurz vor dem Tor (offen) kann ich Farielle den Weg abschneiden, wir beschliessen weiter zu gehen. Ab Haag reiten wir die letzten 5 km auf der Strasse. Bei genügender Müdigkeit hat auch Teer seinen Reiz: keine Unebenheiten, direkter Weg.

Um 18 Uhr kommen wir im Hotel Wolf in Marksein an, bringen die Pferde auf die Weide und gehen essen. Um 20 Uhr regnet es in Strömen, wir verfüttern das Kraftfutter und gehen etwas später schlafen.

Freitag, 1.6.07, Markstein – Willer sur Thur

 
Es regnet die ganze Nacht über nur einmal, zudem ist es massiv kälter geworden. Am Morgen ist es windig und neblig, schlechte Aussichten für die Route des Crêtes. Vor dem Frühstück denken wir noch daran einen Tag auszuharren, der Anblick von Farielle und Mona, beide zittern auf der Weide, lässt uns umdisponieren. Wir parkieren sie, sehr zu ihrem Missfallen, in der alten écurie, sie fühlen sich dort überhaupt nicht wohl, können aber wenigstens etwas trocknen und sind aus dem Regen.


Wir fragen Paul ob wir nochmals zu ihm kommen können, er sagt zu, teilt uns aber mit, dass er für 1 Woche abwesend sei. Nach dem Frühstück nehmen wir die direkte Route ins Tal, eine Naturstrasse welche aber mit dem Auto befahrbar sein sollte. Einmal stehen wir vor einem Sackgassezeichen, der Blick auf die Karte zeigt aber, dass wir immer noch richtig unterwegs sind. Eine Kurve später folgt des Rätsels Lösung: die Strasse ist abgerutscht, per Auto nicht mehr passierbar, zu Fuss jedoch durchaus machbar. Es empfiehlt sich vor dem Pferd zu gehen und nicht zu schauen wohin es seine Hufe auf dem 40 cm breiten Weg stellt, man bleibt ruhiger dabei. Um 14 Uhr sind wir wieder im Carré vert. Bevor wir Mona und Farielle in die Freiheit entlassen, ersetzen wir bei Farielle bei den Hintereisen sämtliche Nägel, sie hat’s nötig. Danach gehen wir einkaufen. Kaum zurück erscheint eine von Paul organisierte Brigade um uns für morgen auf den richtigen Weg zu weisen. Das ist Service! Jean-Marie kommt später nochmals wieder und bringt uns die Telefon-Nummer für den Gresson, somit ist die nächste Uebernachtung auch geregelt. Vom Gresson aus kommen wir dann wieder auf die geplante Strecke in St. Maurice sur Moselle.

Am Abend feuern wir in der Küche den Holzherd ein, es wird gemütlich warm, Denise kocht Spaghetti  und gleichzeitig können wir über dem Herd die Wäsche trocknen.

Samstag, 2.6.07, Willer sur Thur – Gresson

 Heute brechen wir zu unserer Königsetappe auf: richtig bewusst wird uns das allerdings erst am Abend beim Zusammenzählen der Höhenmeter und Messen der Strecke.

Um 9.30 Uhr brechen wir auf Richtung Rossberg. Stetig ist die Steigung, die Pferde kommen toll ins Schnaufen. Der von Paul’s Kollegen aufgezeichnete Weg verhält. Sogar der gestrichelte Teil (Denise hat 3x nachgehakt, ob er reitbar ist) ist nur anfangs einige Meter schwierig, entwickelt sich dann aber zu einem schönen Weg.




Nach 3 Stunden erreichen wir die ferme auberge du Belacker. Begrüsst werden wir vom Hofesel, der arme Kerl hat sicher seit Jahren keinen Hufschmied gesehen, seine Schnabelrenner-Schuhe verfolgen uns den ganzen Tag.

Trotzdem animiert er Farielle zu einem Stechtrab über die Alpwiese, nachdem Mona um die Ecke verschwindet lässt sie sich aber wieder einfangen. Wir docken die Pferde an den Ringen draussen an und essen in der Beiz. Diese hat schon bessere Zeiten erlebt: müde und abgewirtschaftet steht das Gebäude da, innen wie aussen gleich alt aussehend. Die Sauberkeit hält sich in Grenzen: man bleibt beinahe auf der Tischplatte kleben, geschmeckt hat’s trotzdem und übernachten müssen wir ja nicht.

Nach dem Mittagessen erfolgt der Abstieg von 1200 auf 500m hinunter, natürlich zu Fuss. Als wir auf der anderen Talseite wieder hinauf müssen hat Farielle die Schnauze voll. Sie will umdrehen und hält immer wieder an, Gott sei dank haben wir keinen Tierkommunikator dabei, der Gesichtsausdruck ist deutlich genug!  Beim letzten steilen Stück überwiegt das schlechte Gewissen, wir steigen ab und gehen. Plötzlich benötigen die Pferde nicht mehr alle 50m eine Verschnaufpause, wir gewähren sie ihnen trotzdem.

Um 17.30 kommen wir in der ferme auberge du Gresson an. Die Aussicht ist wunderbar, in weiter Ferne sehen wir die Krete, hinter welcher sich der Belacker befindet. Was für ein Unterschied: der Gresson wurde renoviert, die Zimmer sind hell und freundlich, die Gaststube sauber. Wir entlassen Mona und Farielle auf die Weide, die Wirtin versichert und, dass diese nicht sehr gross sei. Es ist alles relativ im Leben: viel länger als einige hundert Meter ist sie wirklich nicht und auch nicht viel breiter. Wir hoffen, dass wir die Pferde am Morgen nicht unten im Tal wieder holen müssen.

Weit gefehlt: Farielle weiss mit der grenzenlosen Freiheit nichts anzufangen: ihr Radius beträgt 50m vom Tor, sie ruft mir jedesmal zu wenn ich zum Fenster raus schaue. Vor dem Nachtessen füttern wir das Kraftfutter welches wir seit dem Markstein mitschleppen, es hat einige hundert Höhenmeter auf dem Buckel (Markstein 1100, Willer 400, Rossberg 1200, Riembach 500, Gresson 1200M), wenigstens schmeckts. Unser z’Nacht besteht aus hofeigenen Produkten, zum Dessert gibt’s Münsterkäse au kirsch am ersten Tag nach der „Geburt“.

Unsere Königsetappe war übrigens 25 km lang, 2000 Höhenmeter wovon 1300 bergauf.


Sonntag, 3.6.07, Gresson – St. Maurice sur Moselle

 

Farielle und Mona stehen in Habachtstellung da am Morgen, so grosse Weiden sind gewöhnungsbedürftig. Zu Fuss keuchen wir die ersten 2 km den Hügel hinauf, dann beschliessen wir, dass Pferde Lasttiere sind und steigen auf bis zum Col des Charbonniers. Dort nehmen wir den Gr 5 (dieser Wanderweg führt von Holland ans Mittelmeer) welcher uns von Jean-Marie als reitbar erklärt wurde. Die Höhenlinien auf der Karte sind sehr nahe beieinander, das Gelände mehr als nur steil, dazu wird das Ganze garniert mit Felsplatten, Wurzeln, Steinen und allem was die Bergwelt sonst noch bietet. Nach 500m finde ich, dass mein Adrenalinsoll für den Tag erfüllt ist, die Strecke bis zum Ballon d’Alsace ist 5 km lang, meine Nerven liegen bei 10% der Strecke schon blank, so funktioniert das nicht. Wir drehen um, jetzt wird’s Denise mulmig zu Mute. Vorher hat sie gesehen dass Farielle als grosses Pferd ohne Absturz durchgekommen ist, jetzt geht Mona voran.


Wieder beim Col des Charbonniers lassen wir unsere Knie auszittern und weichen aus auf einen Teerweg welcher uns ziemlich attraktiv erscheint. Weiter talwärts machen wir Mittagspause auf dem Hausplatz eines verlassenen Forsthauses. Da früher keine Autos und Traktoren vorhanden waren, wohnte der Förster im Wald an seinem Arbeitsplatz.
Von diesen alten Forsthäusern gibt es in den Vogesen noch einige. Zwischen Stall und Haus weihen wir meinen Weidedraht endlich ein. Ein idyllisches Plätzchen: Gras à discrétion, Wasser, Sonne, neben uns einige Eidechsen welche ein Sonnenbad nehmen.


Beim Aufbruch profitieren Mona und Farielle vom schon versorgten Zaun. Sie hauen durch die 2m breite Lücke ab und machen sich quer über die Heuwiese davon. Ich sichere vorsichtshalber den Vorderausgang, Denise erwischt Mona und Farielle folgt. Zu Fuss geht’s weiter ins Tal. Der Weg führt durch eine Pferdeweide und wir werden von 20 Ponies begleitet. Leider finden wir den oberen Ausgang nicht und müssen wieder auf die Strasse zurück und gelangen durch’s Dorf in die Jumenterie. Für die Pferde hat’s keine Weide, die können sich aber auf dem Vierreck ausgiebig in Dreck und Sägmehl wälzen. Wir beziehen ein neu ausgebautes Zimmer mit schönem Badezimmer, ziehen erstmals unsere Shorts an und geniessen im Reiterstübli Lektüre, kühle Getränke und ein Glacé.

Das Nachtessen nehmen wir mit der Familie ein. Dabei bestätigt sich auch der Ruf, welcher Papa Matthieu hat: er hat seine Meinung, die ist richtig und sollte, zumindest nicht laut, nicht angezweifelt werden. Er hat früher wochenweise Touristen reitend durch die Vogesen geführt und staunt aber unserer Etappe von Willer auf den Gresson und sagt selber dass der Gr 5 wohl mit dem Pferd zu machen, aber sehr gefährlich sei.


Montag, 4.6.07, St. Maurice – Giromagny

 

Die Schwiegertochter macht uns Frühstück und Picnic bereit, derartig verwöhnt brechen wir schon um 9.15 Uhr in Richtung des Ballon d’Alsace auf. Der ersten zwei Kilometer reiten wir auf der Strasse, der Wanderweg führt zu weit nach links, zudem müssten wir höher hinauf und nachher wieder hinunter um den chemin Godignon zu erwischen. Unterwegs treffen wir auf einen Erdrutsch, dieser kann aber gut umgangen werden. Die Gegend um den Ballon d’Alsace ist ziemlich feucht, es hat viele Bachläufe, Farielle muss aus jedem Trinken. Sie entwickelt sich zu einem Hydrometer, sobald es irgendwo gurgelt fängt sie an zu suchen. Durst kanns nicht mehr sein, eher schon ein Tic. Der Chemin Godignon führt in ziemlich gerader Linie auf den Col du Stalon, dann über den Ballon St. Antoine zur Planche des belles filles. Erneut kommt mein Weidehag zum Einsatz. Die Längsseite der Weide bildet das Auffangnetz des Skiliftes.



Denise bemerkt dass ihr Natel fehlt und geht ein Stück weit zurück um beim letzten Absteigeplatz nachzuschauen. Es wird wohl immer noch irgendwo in den Vogesen liegen. Kaum fertig mit dem Picnic beginnt es zu donnern, dann zu tröpfeln und 30 Sekunden später folgt ein Wolkenbruch. Die Poncho’s haben wir provisorisch ausgegraben, wir packen Pferde und Gepäck damit ein und warten unter den Bäumen bis der Regen wieder hört. Wir suchen und finden den Wanderweg welcher uns auf die untere Strasse führen sollte. Aus Erfahrung klug drehen wir dieses Mal schneller um, steil und gefährlich ist nicht mehr unser Ding. Auf der hinteren Seite des Skilifthanges klappt’s dann, der nächste Weg ist viel besser. Das erste Stacheldrahttor meistern wir problemlos mit einer Latte und einem Hüpf darüber, auch die nachfolgende Alpwiese ist kein Problem, danach wird’s happig: mehr Bachbett als Weg kämpfen wir uns talwärts, jeder Schritt muss konzentriert gemacht werden.


Der Weg wird etwas später besser, die letzten 2 km habens aber in sich. Als Reitweg ausgeschildert schlittern wir über Stock und Stein bis nach Giromagny. Um 16 Uhr, kaum richtig angekommen und abgesattelt folgt ein kräftiges Gewitter, Glück gehabt. Wir gehen in den Supermarché Picnic für die nächsten Tage einkaufen, auf dem Heimweg nehmen wir beim Pizza-Take away Pizzas mit und geniessen, unterdessen wieder bei Sonne, draussen vor dem Stall, unser Abendessen. Denise putzt mit ihrer Pferdebürste das Liegesofa vom Reiterstübli, mir hat das Stallmädchen eine Luftmatratze organisiert. Die Türe lassen wir offen damit der Fritierölgeruch vom Concours gestern etwas abzieht, in den Schlaf singt uns die Kühltruhe welche neben dem Sofa steht.





Dienstag, 5.6.07, Giromagny – Foussemagne

 

Bei strahlender Sonne brechen wir auf, die Wege sind viel besser, die Erde hier ist rot gefärbt (Kupfer?). Meine Füsse tun von gestern immer noch weh, die Pferde spüren ihre Beine sicher auch. Nordöstlich von Belfort reiten wir längere Zeit durch einen Wald, wir sind zurück in der Ebene bei den vielen Fischweihern. In einer Propriété privé packen wir Zaun und Picnic aus und machen’s uns gemütlich. Tisch, Bank und Grill wird ebenfalls in Gebrauch genommen. Um unsere gebratenen Würste in Ruhe essen zu können binden wir die Pferde an. Die Idylle wird durch ein vorbeifahrendes Auto ziemlich gestört, etwas hastig und mit schlechtem Gewissen brechen wir auf, so ganz wohl ist mir nicht mehr bei der Sache. Denise sieht’s philosophischer: gegessen haben wir, mehr als einen ZS wird’s schon nicht geben.




Wenig später wird’s historisch aber unspektakulär: wir reiten ca. 750m lang einem Jakobsweg nach, ok, pilgern können wir auch auf unserer Pendenzenliste abhaken. Der Wanderweg welcher uns über die Autobahn führen soll wird immer enger. Brombeeren, Brennesseln und anderes Grünzeug ignorieren wir, vor der steilen Treppe mit der Leitplanke als Aussprung müssen wir kapitulieren und umdrehen. Etwas zurück schlagen wir uns quer durch die Büsche und kommen so zur Ueberführung. Auf dem chemin des vieux forts (Ueberbleibsel aus dem ersten Weltkrieg) kommen wir in Bessoncourt an einem solchen vorbei, zu sehen ist aber nichts mehr davon. Wir trinken in einer Bar einen Zitronensirup, er ist mehr gelb und teuer als dass er gut schmeckt, hoffentlich hat er den Blumen nicht geschadet. Vor Foussemagne durchreiten wir einen grösseren Wald. Mit all den Seen in der Gegend ist dieser eher feucht, in jeder Pfütze (und von denen hat es viele) fliehen Frösche vor uns. Farielle hat genug: vor dem Wald wollte sie Boxenstopps bei potentiellen relais einlegen, dann noch die Bremsen welche uns heute erstmals begleiten, das sind doch keine Ferien! Mit hundert Sachen düst sie durch den Wald und ist nicht mehr zu bremsen. Halt und Warten sind aus ihrem Répertoire verschwinden. Nach einem letzten Versuch einen Nebenweg zu finden, Aussprung aus dem Wald über einen Graben direkt ins Weizenfeld, drehen wir um und beschliessender Schnellstrasse entlang zu reiten. Kurz davor treffen wir auf einen Reitweg welcher uns direkt ins Dorf führt. Freundlich werden wir von der Mutter der Reitlehrerin empfangen, sie schiebt uns noch einige Rundballen Heu vom Aufgang auf den Heustock weg damit wir ungehindert unser Heubett machen können. Das Restaurant im Dorf hat Ruhetag, in der Sandwichbar hat es auch nicht mehr viel Gscheites, wir nehmen als Dessert eine Magnumglacé zu uns und verspeisen im Reiterstübli unser Picnic für morgen. In der Waschboxe der Pferde nehme ich eine kalte Dusche und bin froh dass Denises Föteler kein Akku mehr hat für Blitzfotos.


Mittwoch, 6.6.07, Foussemagne – Altenach

 

In diesem neu erbauten Reitzentrum herrscht anscheinend die Ansicht offene Fenster = Durchzug. Ueber Nacht sind alle Löcher geschlossen, die Fenster in den Boxen sind sehr klein, es ist auch bei Tag sehr finster und die Luft nachts ist zum Abschneiden. Während der Nacht hören wir diverse Pferde husten, so gesund kann diese Haltung auch nicht sein. Morgens um 7 Uhr bringen wir Mona und Farielle wieder auf die Weide. Frau Lioté erklärt uns einen schönen Weg nach Altenach, ihre Angaben widersprechen sich immer wieder, wir wissen nicht genau ob wir den Anweisungen folgen sollen oder nicht. Bis zum nächsten Supermarkt stimmen die Angaben jedoch, wir beschliessen so wie vorgeschlagen zu reiten und finden viele tolle Wege an diesem Tag. Parallel zum Rhein-Rohne Kanal reiten wir Richtung Montreux le Jeune. Nach kilometerlangen Graswegen, warum nur haben wir Gepäck dabei, machen wir in einem Buchenwald Picnic und braten erneut Würste. Farielle passt die Warterei nicht, sie stänkert rum, wenn wir sie nicht beachten ärgert sie Mona. Diese lässt sich das geduldig gefallen, zwischen durch lässt sie immer mal wieder einen Gutsch Milch ab (immer noch kein Fohlen, aber schon das halbe Elsass, das auf Bescheid wartet).

Wieder einmal schreckt uns Donnergrollen auf, das Regenzeug haben wir tief unten verstaut heute morgen, jetzt graben wir es wieder aus. Wieder regendicht ausgerüstet hört es auf zu regnen.


Dann folgt das Highlight des Tages: Mme Lioté hat nicht zuviel versprochen: der Weg, eigentlich wäre es eine Galoppstrecke, entlang des Kanals ist wunderschön. Denise kann sich fast nicht erholen und beschliesst mit dem Anhänger nochmals herzukommen.



Blau schillernde Libellen fliegen vor uns auf, auch eine Entenfamilie stören wir in ihrer Ruhe. In Altenach angekommen geniessen wir die Dusche und das Zimmer, es ist einiges komfortabler als der Heustock letzte Nacht, allerdings liegt ziemlich viel Heu auf dem Zimmerboden als wir dieses verlassen. Gertrude die Dritte ist ziemlich gewachsen, aus dem flaumigen Gänschen ist eine halbfedrige Gans geworden.


Donnerstag, 7.6.07, Altenach - Bouxwiller

 

Aus Schaden klug – vor 10 Tagen  musste ich das Zimmerfenster mit Steinen traktieren damit mich Denise wieder reinlässt – nehme ich dieses mal den Hausschlüssel mit um die Pferde zu füttern. Um 9.30 Uhr brechen wir zur letzten Etappe auf, die Strecke ist die gleiche wie am ersten Tag. Unterwegs stoppen wir einen fahrenden Bäcker, leider hat er keine Croissants au chocolat, dann halt ohne. Auch wissen wir jetzt, wo das Restaurant ist und beschliessen dort das Mittagessen einzunehmen. Die Pferde binden wir an einen Zierkirschenbaum und versuchen Pommes Frites und Braten zu geniessen. Denise versucht Mona davon abzuhalten sich Gepäck und Sattel vom Leib zu kratzen, der in der Saccoche verstaute Kartoffelsalat segnet dabei das Zeitliche. Kaum habe ich Denise erklärt dass Farielle die Theorie verfolgt, dass bei genügendem Insistieren immer etwas nachgibt (Karabiner, Strick, Halfter) spaziert sie auch schon mit einem 6m langen Kirschbaumast davon. Nach einer kurzen Beichte bei der Wirtin verlassen wir den Ort des Schadens bevor er genauer inspiziert wird. Unterdessen ist es richtig heiss geworden. Nachträglich empfinden wir die Temperaturen zu anfang des Rittes als angenehm. Die Pferde haben Durst, die Bedienerin einer Imbissbude versucht die Pferde mit 5l Wasserkübeln zu tränken. Nach einem Schluck ist der Kübel leer, das Auffüllen dauern zu lange. Da wir von einem Brunnen im nächsten Dorf wissen, beschliessen wir weiter zu reiten. Farielle wiehert entrüstet und schaut sich lange nach dem Wasserhahn um, kann sich aber im nächsten Dorf dann doch erholen. Ueber das Schloss in Vieux Ferrette kommen wir durch eine stark duftende Lindenbaumallee zu einer Baustelle. Die Arbeiter erklären uns, wir können da nicht durch und müssten umdrehen.  Denise versteht kein französisch mehr und geht weiter, ich folge, von Umdrehen kann nicht die Rede sein. Ziemlich müde kommen wir um 17 Uhr in Bouxwiller an. Mona und Farielle haben Anrecht auf eine Dusche und beziehen eins von Fernands freien Weidehäuschen. Endlich ist er da, der verdiente Ruhetag.