Letzter Ausritt von zu Hause aus vor unseren Offenburg-Ferien (im Nachhinein ist der Begriff Ferien zu diskutieren).
Beim Galoppieren rutscht Farielle auf dem nassen Gras aus, wir gehen beide zu Boden. Dem Pferd hat’s nichts gemacht, ich gehe lahm und decke mich in Murten mit Perskindol und Arnika ein, Chemie habe ich noch zu Hause in der Apotheke.
Um 13.30 Uhr treffe ich mich mit meiner Mutter in der Autobahnraststätte in Pratteln zwecks Uebergabe von Tifou, für ihn wäre der Ritt zu streng.
Beim Eintreffen im Stall von Zwingen fehlen der rote Teppich sowie Denise und Jessi, Natel sei Dank kommen sie kurze Zeit später angerollt. Farielle erhält Monas Boxe und wir beginnen mit dem logistischen Teil der Rückreise. Alles Gepäck in mein Auto, Auto und Transporter zu Jessi’s Eltern welche uns das Gespann am Freitag in einer Woche nach Offenburg bringen.
Bei 30° (geschätzt) lockt der Pool in Jessi’s Garten, auch die Entscheidung die Badehosen doch mitzunehmen fällt in diesem Moment.
Nachdem die Saccochen zum x-ten mal gewogen und für gleich schwer befunden worden sind geniessen wir unsere Spaghettis, GT und Wein sowie die kurze Nachtruhe.
Donnerstag, 13.7.06, Zwingen – Augst (Tempelhof)
Start 7.15 Uhr, Ankunft 17.00 Uhr
Tagwache um 4.45 Uhr. Denise und Jessi gehen die Pferde füttern, ich bereite das Frühstück vor.
Nach dem Satteln starten wir Richtung Grellingen. Wunderschön ist die Strecke der Birs entlang über Seewen, Hochwald nach Gempen. Nach einem Glacehalt folgt der Abstieg zu Fuss, Chemie sei Dank kann ich trotz meinem Knie gehen. Nach einer verschwatzt-verpassten Abzweigung finden wir nach einigem Suchen den Picknickplatz auf dem Sulzkopf doch noch (wunderschöne Aussicht Richtung Elsass, Deutschland) und geniessen unsere Sandwiches. Wir erhalten Besuch von Franziska welche wir vorher im Wald getroffen haben. Weiterer Abstieg nach Pratteln dem Wanderweg entlang, über Stock und Stein, Treppe und Schranke, etc.
Eine Kollegin von Denise bewirtet uns mit Eistee und Glace, beides kommt keine Minute zu früh, alle sechs braten wir an der Sonne und werden von den Bremsen gefressen.
Dann folgt die City-Taufe unserer Pferde: a bit of heavy traffic, Fussgängerunterführung der Bahn, Kreisel, etc.
Als Dessert dann noch die Durchquerung der Ergolz unter der Autobahnbrücke. Super Einstieg, der Ausstieg auf der anderen Seite legt dann an Schwierigkeitsgraden zu. Glatte Steine wie bei Flussüberbauungen üblich, das Wasser in der Kurve auch eher tief, das ganze mit Felsbrocken garniert. Mit geschlossenen Augen, einem Griff in die Mähne und einem Stossgebet (nicht dem letzten) überlebe ich/wir…..
Herzlicher Empfang auf dem Tempelhof. Die Pferde erhalten eine hektarengrosse Weide, wir schlafen im Stroh. Nach dem Duschen der Pferde gehen wir schwimmen im Rhein, der geplante Besuch der Pizzeria in Augst (nicht am Weg) wird zugunsten der Campingbeiz (am Weg) fallen gelassen, frühe Nachtruhe – warum wohl?
Freitag, 14.7.06, Augst – Endenburg,
Start 7.15 Uhr, Ankunft 17.45 Uhr
Aufbruch zu einer langen Etappe. Wir durchreiten das Feldschlösschen-Areal und gehen in Rheinfelden über den Zoll. Fragender Blick der deutschen Zöllner: „was wollt ihr den hier?“ – die Schweizer Zöllner glänzen durch Abwesenheit. Nach etwas Hin und Her und einigen Telefonaten lassen uns die Deutschen passieren. Der fehlende Stempel im Carnet ATA ist dann zu gegebener Zeit Denise’s Problem. 2 Stunden für 5km, die Strecke heute ist 28km lang, wer Lust hat kann hochrechnen.
Einkaufen von Picnic und z’Morge für den nächsten Tag in Rheinfelden, dann schlagen wir uns durch nach Nollingen. Ab dann reiten und verreiten wir uns. Die deutschen 50’000er Karten lassen die preussische Exaktheit vermissen, sie sind bestenfalls unexakt, sonst falsch, auf den Kreuzungen kleben Infos über Feuerstellen, etc. und man sieht auf einigen Milimetern der Karte nicht nichts mehr.
Mit etwas Irren und Wirren im Wald erreichen wir Ottowangen und machen Mittagshalt nachdem die Pferde gegrast haben. 1 h Pause, dann schreckt uns Donnergrollen auf. Unter brütender Hitze erreichen wir Steinen wo uns der Regen einholt. Einige sanfte Tropfen –genügend um eine Montage der Regenausrüstung zu rechtfertigen – und der Spuk ist vorbei. Da man vom Tragen der Regenhosen statt von aussen von innen nass wird, zieht Denise ihr Outfit wieder aus: 5 Minuten später folgt dann ein Wolkenbruch mit deftigem Gewitter. Ziemlich nass finden wir Unterschlupf in einem Kälberstall und warten das Gewitter ab. Die Pferde bedienen sich friedlich an der Bar (Heuraufe), die halbe Stunde Rast ist gut investiert.
Eigentlich wollten wir bei einer Waldhütte Unterschlupf suchen, Gott sei Dank hat’s nicht mehr dorthin gereicht, direkt neben der Hütte liegt eine vom Blitz gefällte Buche.
Der Regen schlägt mir auf die Moral, das Gefühl nicht vorwärts zu kommen (auf der Karte ist die noch zu reitende Strecke endlos) stresst mich und ich kann den Rest der Strecke – obwohl wunderschön – gar nicht mehr geniessen. Orientierungsrunden am Morgen zusammen mit Versuchen die Karte zu interpretieren brauchen viel Zeit: 9 h Reitzeit für 30km.
Nach einer letzten Steigung Ankunft im Gestüt Noricum in Endenburg. Mona hat einen Gurtendruck sowie Satteldrücke welche mit Essigwasser versorgt werden, den anderen zwei geht’s gut.
Trockene Schuhe und Kleidung sowie feudales Essen im Alpenblick nebenan heben meine Stimmung, Unterkunft haben wir im 4-Bett Zimmer im Gestüt.
Samstag, 15.7.05, Endenburg – Münsterhalte
Start 8.00 Uhr, Ankunft 16.00 Uhr
Da eine kurze Etappe vor uns liegt reiten wir erst um 8 Uhr los. Bei geschlossenem Hotel auch noch ohne Frühstück. Bei der ersten saftigen Wiese lassen wir in traumhafter Morgenstimmung die Pferde erstmals grasen.
Auf 1000m Höhe folgen wir einem Höhenweg zum Stockmatterkopf wo der Mittagshalt geplant ist. Unsere langen Gesichter um 11 Uhr erweichen den Sohn des Beizers, er öffnet für uns eine Stunde früher als geplant. Wir geniessen einen Maultaschensalat, Eiskaffee und Apfelschorle. Gesättigt und zufrieden ziehen wir weiter Richtung Münstertal. 24-Stunden Erfahrung zeigen, dass man mit den weissen Wegen auf der Karte am besten fährt, sie sind gut reitbar und fast immer dort wo sie laut Karte sein sollten: wir reiten über Sirnitz und lassen die Suche nach Wanderwegen am Weiherkopf sein. Begleitet von 1000 Bremsen steigen wir dem Bach entlang ab zum Daislehof wo uns Opa Dietsche herzlich empfängt. So was von Luxus: Anbindevorrichtung vor dem Brunnen um die Pferde zu waschen, Parkplatz für Sattel und Gepäck sowie Ablage für die Toilettensachen.
Barbara, Martin und die Jungs fahren vom Schulfest ein, wir werden verwöhnt: Tisch, Bank und Aussicht ins Tal, Apfelschorle, Kuchen, Kaffee……
Vor dem Nachtessen quartieren wir uns auf der Heubühne über dem Offenstall ein, die Pferde haben die Rasengitterstein-Rampe vom Stall auf den etwas tiefer gelegenen Platz entdeckt. Funktioniert wie eine Rutschbahn, der Lärm von Hufeisen auf Stein bestätigt die Anwesenheit unserer Vierbeiner auch während der Nacht.
Gediegenes Nachtessen (Linseneintopf, Pizza) wird von musikalischer Unterhaltung (obligatorische Uebungssequenz der Dietsche-Kinder auf der Handorgel) abgelöst.
Schade dass wir müde sind und früh aufstehen müssen, der Abend hätte sich von mir aus noch länger hinziehen können.
Auf der Heubühne werden wir fast davon geweht, der Wind legt sich dann aber irgendwann, wir schlafen vorher ein.
Sonntag, 15.7.05, Münsterhalde – Kappel via Schauinsland,
Start 7.30 Uhr, Ankunft 18.30 Uhr
Tagwache um 5 Uhr, 5-Sterne Frühstück zusammen mit Barbara, verschiedenste Sorten Konfi, Fleisch, frisches Brot, etc. etc. Wir decken uns noch mit dem Mittagspicnic ein und möchten bezahlen. No way, Barbara offeriert uns das Essen, Opa Dietsche weigert sich etwas für den Stall anzunehmen!
Opa Dietsche hat uns den Weg zur Kimme erklärt, am Morgen ist es noch frisch, wir folgen einem Höhenweg auf der Schattseite des Tales und kommen gut vorwärts. Auf dem Weg zum Wiedenereck erzählt uns Denise von einer Strecke, welche sie vor 2 Jahren passiert haben. Passenderweise wurde diese Strecke Todesstrecke genannt, leider wurde sie nicht auf der Karte eingezeichnet…….
Kurz nach der Aussage von Denise: „dort werde ich im Leben nie mehr durchreiten“ kommt ein „absteigen, wir sind wieder drauf und zum umkehren ist es schon zu eng“. Der Wanderweg ist ca. 40cm breit, rechts geht’s steil hinauf, links einige hundert Meter sehr steil hinunter. Zweites Stossgebet auf dieser Reise und (trotz meiner Unsportlichkeit) ein ziemlich rasches Bergaufgehen mit dem Pferd hinter mir lassen uns auch diese 500m überleben. Wieder auf dem breiten Weg haben wir drei rote Köpfe und Angstschweiss, die Pferde nehmen's gelassen.
Um 11 Uhr sind wir in der Wiedenereck und machen etwas später Mittag. Um 14 Uhr erreichen wir den Schauinsland – er trägt seinen Namen zurecht. Wir schauen ebenfalls, ich mit misstrauischem Blick auf die Karte. Das wird noch anstrengend.
9km zu Fuss, 800 Höhenmeter runter, 4 Stunden hat’s gedauert. Nach zwei Stunden im Wald folgen zwei Stunden auf dem Teer an brütender Sonne. Gesellschaft leisten uns die Bremsen, auch die Aussage „my feet are killing me“ erreicht neue Dimensionen. Mit tun die Beine weh, das Knie spüre ich vom Sturz her auch noch, Denise wechselt bei einem Boxenstop die Wanderschuhe aus und montiert die Savannenflitzer. Nur Jessi jammert nicht, sie ist halt auch noch jung!!
Endlich kommen wir im Junghof an. Die Pferde können auf die Weide, wir werden von Julia und ihrer Mutter mit Flüssigem versorgt. Anscheinend machen wir einen etwas abgewrackten Eindruck, auf jeden Fall führt und Julia per Auto ins Hotel, keine von uns widerspricht.
Nach dem Abendessen im Hotel Kreuz wird noch die Wäsche gewaschen. Genie Lavabo hilft dabei. Was für eine Brühe!! Der Balkon erinnert an Italien. Ich notiere den Ort der Todesstrecke auf Denise’s Karte.
Montag, 16.7.06, Ruhetag
Frühstücksbuffet im Hotel: wir stopfen uns mit Früchten und Milchprodukten voll. Beides fehlt wenn man so unterwegs ist. Per Bus, wer läuft schon wenn er anders kann, Transfer auf den Junghof wo wir die Pferde im Offenstall installieren. Farielle entdeckt die Fressstände, schade hat’s nicht in allen 5 Krippen Futter.
Nach dem Einkaufen für Mittag und Abendessen wird Mona wegen den Druckstellen eingequarkt. Am Abend versuchen wir möglichst viel schon für den Morgen vorzubereiten, danach machen wir ein Feuer und braten Steaks und schlagen uns die Bäuche voll. Rückkehr ins Hotel zu Fuss, es fährt kein Bus mehr.
Dienstag, 17.7.06 , Kappel – Ottoschwanden,
Start 8.00 Uhr, Ankunft 20.30 Uhr
Um 6.15 Uhr nehmen wir den Bus (den ersten) in den Stall, packen zusammen und brechen zu Fuss auf ins Hotel. Das Frühstücksbuffet wollen wir uns alle drei nicht entgehen lassen.
Die Pferde parkieren auf dem Trottoir an einem Geländer, sie ernten einige komische Blicke.
Kurz nach Abritt die erste Ehrenrunde in Kirchzarten. Wir finden den Weg unter der Autobahn und über den Fluss nicht mehr. Denise und ich haben ihn uns beim rekognoszieren gut gemerkt, wir hätten ihn besser schriftlich festgehalten. Eine Velo fahrende Reiterin lotst uns dann doch noch ans richtige Ort. Durchqueren von Ebnet, das Reitverbot über die Fussgängerbrücke entschärfen wir mit Absteigen. Dann attackieren wir mit lustlosen, unmotivierten Pferden den ersten 600-er. Treue Begleiter sind die Bremsen in allen Variationen, kleine, mittlere und grosse, nebst der Hitze übrigens eine der Konstanten dieser Reise.
Um 11 Uhr sind wir beim Hasenkopf und haben erst eine Drittel der heutigen Strecke gemacht. Es ist sehr heiss und wir kommen nur langsam vorwärts. Ueber den Flisserkopf erreichen wir Untergloggental, verfehlen Suggenthal, drehen erneut eine Ehrenrunde und fluchen über die deutschen Karten (bei uns in der Schweiz ist jeder Stein wo er hingehört, jawoll, und dann erst noch eingezeichnet). Wir beschliessen in Lörch Mittag zu machen, direkt zu reiten und die ursprünglich geplante schattige Strecke zugunsten der kürzeren an der Sonne fallen zu lassen.
In Buchholz nehmen wir als Apéro einen Coupe und Flüssiges zu uns, die Pferde stehen hinter uns am Schatten und sind nudelfertig. Farielle und Joe entlasten diagonal und fallen dabei mehrmals fast um. Unterdessen ist 15 Uhr, über 30° und wir haben noch keine Mittagsrast gemacht.
Bei einem Sportplatz finden wir dann einen guten Rastplatz, die Pferde werden getränkt, können sich satt fressen und ausruhen. Alle 6 müssen wir einen erbärmlichen Anblick abgegeben haben, bietet uns doch eine Passantin spontan Unterkunft für die Nacht an.
Um 17 Uhr brechen wir zu den letzten 12km auf, Mona, Joe und Farielle finden der Tag sei lang genug gewesen und beginnen sämtliche Hofeinfahrten anzuziehen. Irgendwo muss ja Feierabend sein, oder?
Beim Engel nochmals ein kurzer Halt für ein Schorle, dann geht’s doch noch vorwärts. Vor Ottoschwanden stimmt die Karte wieder nicht mehr, für einen Halt im Swingerklub reicht die Zeit aber nicht mehr, auch Garderobe und Geruch entsprechen dem Standing vermutlich nicht.
Um 20.30 Uhr kommen wir bei Schandelmeyer’s an, werden herzlich empfangen und mit Teigwaren und Gulasch verköstigt. Wir füllen unser Flüssigkeitsmanko mit Wasser auf, lange halten wir es an Rosi’s Geburtstagsparty aber nicht aus, die Kilometer kombiniert mit der Hitze sitzen in den Knochen.
Mittwoch, 18.7.06, Ottoschwanden – Omersbach,
Start 9.00 Uhr, Ankunft 17.00 Uhr
Bei etwas kürzerer Strecke brechen wir später auf. Rosi begleitet uns ein Stück weit. Über den Streitberg reiten wir zur Ettenheimerhütte. Erstmals finden wir kein Wasser mehr unterwegs, die Pferde haben am Mittag Durst und wir sitzen ebenfalls auf dem Trockenen. Wenigstens reiten wir den ganzen Tag im Wald, heiss ist’s trotzdem. Beim Grasen unterwegs lassen wir Mona und Farielle laufen, Joe bleibt angedockt. Farielle hat anscheinend auch genug von unserem Unternehmen, sie dreht um geht zurück. Nach 200m wartet sie, kommt aber erst zurück nachdem Joe und Mona in die andere Richtung weiter gehen. An mir galoppiert sie vorbei ohne mit der Wimper zu zucken, die Rückkehr liegt also nicht an der menschlichen Gesellschaft.
Nach dem Mittag steuern wir zum nächsten Restaurant (doch ein Vorteil der deutschen Karten, auf den Schweizer Karten hätten wir vergeblich gesucht) und können dort mit dem Falteimer die Pferde tränken. Nachdem wir unsere Flaschen gefüllt und pro Person ebenfalls 1 Liter Schorle konsumiert haben gehen wir weiter. Der Beizer hat uns von unserer ursprünglichen Idee mit dem kürzesten Weg ins Tal auf der Strasse an der Sonne abgeraten. Recht hatte er, der letzte Kilometer auf der Strasse bei vermutlich annähernd 40° auf dem Teer bringt uns fast um. Im Stall angekommen duschen wir die Pferde und beziehen das frisch renovierte Gästehaus.
Am Abend lassen wir die Pferde erstmals gemeinsam auf die Weide. Denise ist der Meinung dass sie genug gemeinsames Leid ertragen hätten um sich nicht noch gegenseitig zu schlagen. Ausserdem (das ziehendere Argument bei mir) hat’s tonnenweise Gras.
Reinhold führt uns ins Restaurant und holt uns später wieder ab.
Donnerstag 20.7., Omersbach – Offenburg
Start 6.15 Uhr, Ankunft 15.00 Uhr.
Nach dem gestrigen Hitzetag sind wir uns einig: es wird früh gestartet. Um 4.30 Tagwache, im Finsteren gehen wir auf die Suche nach den Pferden, die auf einer Hektar grossen Weide sind.
Ich habe etwas Vorsprung, finde irgendwann oben am ziemlich steilen Hügel (schon das erste Mal verschwitzt und ausser Atem) Mona und Joe. Farielle ist nicht zu sehen. Mit beiden Pferden an der Hand gehe ich nach unten, übergeben sie Denise und Jessi und will mich auf die Suche nach Farielle machen. Lautes Loslachen von Jessi und Denise: ich habe Mona und Farielle erwischt, Joe kommt von selbst. Man sieht also, es war noch ziemlich dunkel.
Um 6.15 Uhr reiten wir los Richtung Pionierstein wo wir mangels ausgiebigem Frühstück um 9 Uhr auch schon das erste von zwei Sandwiches verdrücken.
Bei unserem Halt treffen wir 2 Haflingerreiterinnen welche ebenfalls auf dem Weg nach Offenburg sind. Sie gehen links um den Berg, wir etwas später rechts, entlang einem Höhenweg. Unser Ziel ist es möglichst lange im Wald zu bleiben.
Um 11 Uhr gelangen wir zur Waldhütte wo wir Mittagsrast machen. Kaum am Essen des zweiten Sandwiches kommen auch die Hafi-Reiterinnen wieder – was die wohl von uns denken?
Diesmal gehen sie nach rechts, wir haben kein Wasser mehr, und gehen deshalb zu Fuss ins nächste Dorf. Unten angekommen, alle sechs schon ziemlich durstig, machen wir einen Aufgalopp über eine Heuwiese und landen oberhalb eines Einfamilienhausquartiers. Abrutsch über’s Bord, dann schnelles Leeren der halbvollen Badewanne die vermutlich für Blumen und Garten und nicht für vorbei ziehende Pferde gedacht ist und Halt in der nächsten Beiz.
Mangels Eisbecher essen wir Mittag, die Pferde sind zwischen Geranienkiste, Mercedes und Traktor am Geländer parkiert.
Farielle passt der Mercedes links vom Baum nicht, sie will zum Traktor auf Mona und Joe’s Seite, eine kurze Gewaltanwendung und der Klügere – in diesem Falle die Halfter – gibt nach. Gott sei Dank naht Offenburg und die Möglichkeit kaputte Sachen zu ersetzen.
Nach unserem Mahl (wir haben auch schon besser gegessen, wo gibt’s schon Schnipo mit Bratensauce) reiten wir über die Stoppelfelder und versuchen uns zur Kinzig durchzuschlagen. Die von Reinhold empfohlene Unterführung der B33 finden wir schliesslich auch und endlich sieht man in der Ferne die Burda Gebäude von Offenburg.
Total kaputt bei 35° erreichen wir die Messe, lassen uns per Zielfoto verewigen und melden uns beim Stand des VFD.
Mit gewaschenen aber schon wieder verschwitzten Pferden melden wir uns um 18 Uhr beim Vet. Joe ist der einzige der passiert, Farielle muss beim Vortraben abgeschleppt werden, die Tierärztin rennt hinterher und wedelt mit dem Pass, nach 3x traben findet sie sie leicht unregelmässig und wirft sie aus der Wertung.
Bei Mona haben wir mit Ausschluss gerechnet, der Gurtendruck und ebenfalls eine leichte Lahmheit vorne links (Mona wird ebenfalls abgeschleppt und im Zick-Zack vorgetrabt) lassen grüssen.
Insgesamt sind 40% der Pferde nicht durchgekommen, ob wohl dem Umstand des heissen Wetters und der Leistung gebührend Rechnung getragen wurde.
Wir sind uns einig: das nächste Mal Offenburg: per Auto mit Klimaanlage, Wanderreiten im Sommer gehört sich nicht.
Freitag 21.7.06
Wir gehen am Morgen früh reiten und wollen in die Kinzig: Opposition erhebt der Securitas beim Ausgang, dieser werde erst um 8 Uhr geöffnet. Also drehen wir eine Orientierungsrunde im Messegelände, geniessen den Abreitplatz der grossen Arena und gönnen den Pferden ein Vor-Frühstücksapéro an der Kraftfutter-Bar der Firma Marstall.
Tagüber wird geshoppt, macht bald noch mehr müde als den ganzen Tag reiten.
Am Abend ist der Fackelritt quer durch Offenburg: ca. 200 Pferde nehmen teil, ein ziemliches Schauspiel. Beim Ritt quer durch die Altstadt von Offenburg, der Strassenrand von Zuschauern gesäumt, kommt schon Stolz auf mit zu machen und dazu zu gehören.
Samstag 22.7.06
Nach dem Fackelritt gehen wir noch was trinken, dann um 23.30 Uhr ins Bett (bzw. auf die Luftmatratze welche sehr zentral gelegen ist: 20m bis zur Bahn, 100m bis zur Autobahn, 20m bis zur Bar welche nächtlich Freinacht hat).
Um 2.00 Uhr Stallwache bis um 4 Uhr, dann löst Jessi mich ab, Denise übernimmt 4 Stunden im anderen Stall. Um 5 Uhr stehe ich wieder auf, wir wollen die Pferde ins Viereck lassen, ab 6 Uhr stehen die Reiter mit den Pferden an der Hand Schlange für diese Uebung.
Um 6 Uhr gehen wir nochmals schlafen, jetzt ist es in der Bar auch ruhig geworden.
Nach dem Frühstück Ausritt an die Kinzig, und die weise Entscheidung den Nachmittag am nahe gelegenen Baggersee zu verbringen. Gegen Abend kommt Mireille mit Denise’s Transporter.
Die Siegerehrung der in der Wertung verbliebenen Wanderreiter gleicht einem Trauerspiel.
Das Publikum hat Aussicht auf 30 Pferde- und Reiter-Hintern, geehrt werden nur jeweils die ersten 3.
Nach der Galashow gehen wir noch etwas Essen und Trinken, danach zu Bett. Unterdessen sind wir genügend müde um den Barbetrieb und die Besoffenen zu überhören und sogar schlafen zu können.
Sonntag 23.7.06
Nach dem Morgenessen nochmals ein Ausritt an und in die Kinzig, und ein letzter Zug durch die Marktstände. Der Aufbruch fällt leicht, wir sind alle pleite.
Letzte Gespräche und Erfahrungsaustausch mit Mitleidenden, schon komisch: man vergisst negative Sachen sehr schnell, so schlimm war’s doch gar nicht, oder? Klar war’s heiss und lang, man könnte aber auch die Strecke verkürzen und eine etwas flachere wählen . . . . . . .
(Man vergleiche die Aussage von Donnerstag), wo wir wohl in zwei Jahren im Juli sind? mitreden kann man eigentlich schon nur als Mitreiter.
Abfahrt um 14 Uhr, nach dem Halt an einer Raststätte treffen wir uns nochmals am Zoll in Basel, dort trennen wir uns und ich bin um 18.30 Uhr in Murten.
Einige Aussagen und Feststellungen:
Verschiedene Begriffe haben beim Wanderreiten neue Dimensionen angenommen:
- Definition von steile und ebene Strecke
- Luxus (nach dem Duschen einen sauberen Slip anziehen können)
- 7 Tag – 3 Stunden (7 Tage reiten, die gleiche Strecke in 3 Stunden per Auto)
- My feet are killing me
Wir haben unterwegs nur nette Leute getroffen, auch das hat unseren ganzen Ritt zu einem Supererlebnis werden lassen. Wir wurden freundlich empfangen und bewirtet und fühlten uns überall willkommen. So macht Wanderreiten wirklich Spass und ruft nach einer Wiederholung. Auch die Strecke war wunderschön, nicht viel Hartbelag, dafür umso mehr Wald, sprich Schatten (falls ich es noch nicht erwähnt habe, die Temperaturen waren im oberen Bereich).
Denise, danke vielmals für’s Organisieren und Kartenlesen !
folgende Artikel von Amazone-Reitsport werden bei diesem Ritt getestet: Sattel Sommer Evolution mit komplettem Packsystem Sattel Sommer Ranger Packtaschen von Ortlieb Wanderreittrensen von Sommer Sattelschabracken Evolution mit Fellunterseite Mc Nett Mikrofaser Hand- und Duschtuch Daunen-Schlafsack Sparrow Jodhpur- Reithosen von Jumper King Poloshirts Ahorn Regenponcho Exped